Merlemoment

„Mama, die Frau kauft Gras.“
„Das ist Schnittlauch, Merle.“
Links von mir flüstert jemand einen Hasch-Kalauer.
Der weißbärtige Verkäufer mit Alm-Öhi-Hut reicht mir den Bund. Kurz bevor ich ihn im Beutel verschwinden lasse, halte ich ihn Merle hin. Sie greift hinein, zerwühlt mit den Fingern das Grün.
„Dickes, glattes Gras, Mama.“
„Das ist Schnittlauch, Merle. „
Ich versenke selbigen im Beutel und wende mich an den Öhi.
„Von dem Mangold, bitte. Rot und grün.“
Merle schweigt.
„Und Brokkoli bitte.“
Merle streckt die Hand aus. Ich nehme den Brokkoli und reiche ihn ihr. Sie fühlt.
„Harte Petersilie!“
Die mütterliche Stimme bekommt etwas betont Belehrendes.
„Das ist Brokkoli, Merle.“
„Es sieht aus wie Petersilie.“
„DAS da ist Petersilie!“
Merle sieht auf den Brokkoli. Dann auf die Petersilie und schließlich zu mir hoch.
„Wusstest du das?“
Ich nicke.
Die Merlemutter wird eifrig.
„Wenn du immer zuhörst, weißt du sowas auch, wenn du groß bist.“
„Wann ist das?“
„Später.“
„Heute Nachmittag?“
Der Öhi lacht kurz auf. Merle runzelt die Stirn und drückt den Brokkoli auf den Schnittlauch und das Mangold, wobei sie mit dem Kopf halb in meinem Beutel verschwindet.
„Deine Tasche ist voll Grün, die braucht Licht!“ Sie nimmt eine quietschgelbe Zitrone und legt sie obenauf.
Während die Hand der Merlemutter korrigierend nach vorne schnellt, hoffe ich, dass es nicht Nachmittag wird. Zumindest nicht heute.

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